Google Suggest und die Auswirkungen auf das Suchverhalten

27. August 2008 | Suchmaschinen-Land

Nun, Google Suggest kommt, das ist bereits ein alter Hut. Nachdem immer mal wieder Kleinigkeiten aus dem Experimental Search ins Frontend gezogen werden, die aber meistens kaum oder keine Auswirkungen haben, dürfte mit Google Suggest doch der ein oder andere Impact im Suchverhalten zu beobachten sein.

Bisher war die latente Aufforderung Googles mittels “meinten Sie”-Funktion der einzige Hinweis an den User, dass er gefälligst vernünftiges Deutsch eingeben soll. In dieser Hinsicht ist Google sogar ein Heilsbringer für die immer dümmer werdende Internet-Welt. Des einen Freud, des SEOs Leid, immerhin werden zu diesem Zeitpunkt des Eingriffs bereits Ergebnisse angezeigt und eine SERP generiert.

Das ändert sich mit Suggest: Es entsteht eine Art Keyword-Zensur.

Nachdem viele Blogs – allen voran Jojobereits über die Funktionalität und die Meldung aus dem offiziellen Google Blog von Suggest berichtet haben, möchte ich hier auf die Auswirkungen eingehen, denn wie auf Golem zu lesen ist, wird Google das Feature in einigen Wochen auch in Deutschland nachziehen wollen.

Bisher waren die SEOs ganz froh, dass es Menschen gibt, die Tippfehler machen und somit SERPs produzieren, die teilweise auf keine Kuhhaut gehen. Nun, wer dort rankt konnte immer ein wenig Traffic abgreifen. Sollte die Suggest-Funktion von einem Großteil der User angenommen werden, so werden mit Sicherheit weniger Rechtschreibfehler den Weg zum Absenden-Button finden. Dieser direkte Traffic ist also bereits vor der Anzeige der “meinten Sie” Funktion verloren.

Ein weiteres Problem steht aber über diesem eher kleinen Traffic-Bringer. Durch Google Suggest werden Phrasen kumuliert, bereinigt und Google schlägt aus seinem reichen Fundus an Erfahrung diejenigen Suchen vor, die häufig gesucht werden. Wie wir alle wissen, sind aber häufig gesuchte Phrasen auch häufig stark umkämpfte Phrasen.

Gehen wir mal davon aus, dass sich restlos alle (was nicht wahrscheinlich ist) User auf Google Suggest und seine Vorschläge verlassen werden. Konnte man früher mit 3-4 Wortphrasen und teilweise unmöglich gestellten Fragen an Google noch Randtraffic abgreifen, würde im Fall der 100 prozentigen Akzeptanz solch ein Keyword-Chaos nicht mehr enstehen und aus früher 100 verschiedenen Keyword(phrasen) würden nun fein säuberlich geordnete 10.

Im schlimmsten Fall kann Google Suggest also nicht nur Googles Server stark entlasten (und das wird es sicher, denn durch die Funktion werden häufig gesuchte Phrasen noch häufiger gesucht werden), sondern auch den der eigenen Seite, da wie gezeigt aus 100 verschiedenen Phrasen auf einmal nur noch 10 Keywords werden.

Wer für diese Keywords rankt, kann glücklich sein, wer es nicht tut, wird ganz besonders im Longtail massiv an Traffic verlieren. Selbst wenn wir von einer 20%-Akzeptanz ausgehen (kann das jemand genau schätzen wie viele User das nutzen werden??) dürften Effekte auszumachen sein.

Es sind im Gro also drei Kennziffern, die denkbare Veränderungen durch Google Suggest erleiden dürften:

  • Keyword Diversity: Die Vielfalt der Keywords wird eingeschränkt durch die Vorgabe von vermeintlich besseren Suchwörtern
  • Keyword Proximity: Die Reihenfolge von Keywords dürfte kaum betroffen sein, wohl aber die Reihenfolge dem Hauptkey folgender Keywords (also Veränderungen in der kompletten Phrase)
  • Länge der Phrasen: Hier können durch die Vorschläge entweder längere oder aber eher kürzere, da prägnantere Phrasen entstehen

Hoffen wir, dass die User weiterhin zu hohen Anteilen Fragen an Google stellen und nicht ihr Hauptkeyword als erstes in den Suchschlitz eingeben, denn dann wird Suggest gnadenlos Suchanfragen normalisieren, die vorher schön durcheinander durchs Netz gepurzelt sind.

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  1. 9 Kommentare

  2. Ich finde Google Suggest eine tolle Idee muss ich sagen, da man während des Tippens eines Suchworts bereits beliebte Stichworte, die ein entsprechendes Präfix besitzen, mit einer geschätzten Trefferzahl aufgelistet bekommt. Und das ist für den Suchvorgang natürlich optimal und äußerst praktisch. Betrachtet man das ganze von der technischen Seite, so kann gesagt werden, dass dieses Feature von Google durch Ajax toll umgesetzt wurde, weil aufgrund dieser Technologie für die Datenübertragung kein erneuter Seitenaufruf im Browser nötig ist.

    Gedichte am Okt 13, 2008

  3. Ich find Google suggest grundsätzlich eine gute Sache, da es Nutzern hilft Anregungen oder Ideen zu bekommen wie sie ihre Suche fokusierter organisieren. Grade Nutzer mit wenig technischem know-how suchen wahrscheinlich oft im Kreis, bevor sie das was sie suchen auf finden [wenn sie´s dann finden]. Auf der anderen Seite stellt sich natürlich die Frage, was Google´s eigentliche Absicht ist – den Traffic auf einige wenige “hochwertige” Suchbegriffe zu fokusieren, wirkt sich sicher sehr positiv auf den Umsatz pro Suchanfrage aus. Da Google suggest standardmäßig eingestellt ist wenn man einen Google Account benutzt kann man davon ausgehen, das die breite Mehrheit der Nutzer das so lassen werden.

    CateringBerlin am Mrz 31, 2009

  4. hallo und danke für den Bericht. Mir stellt sich gerade die Frage, ob du überhaupt von Keyword Diversity und Keyword Proximity sprechen kannst, da sich meines Erachtens, diese begriffe nur rein auf den Contextgehalt eines Dokumentes bezieht. Sicherlich treten diese Phäomene auf (Vielfalt der Keywords wird eingeschränkt, Reihehnfolge nicht beliebig), aber doch nicht mit diesen Bezeichnungen, oder? Kann man / bzw. sollte man es nicht anders benennen?
    vg nek

    nek am Jul 2, 2009

  5. Nek, sicherlich haben beide Begriffe einen kontextuellen Zusammenhang. Ich glaube, es dürfte aber dennoch zulässig sein, sie auch vom Blickwinkel “von außen” (also in der User-Generierung buw in Google selbst) zu betrachten, denn die Definition dort dürfte eindeutig sein und zusätzlich eindeutig unterscheidbar von dem “internen” Blickwinkel im Content der Website. (hoffe, dass versteht man so, es ist echt heiß..)

    hannes am Jul 4, 2009

  6. Inzwischen ist ja schon einiges über Google Suggest berichtet worden. Die interessanten Fakten (bringt mehr Traffic und Konversionraten, wenn man auf ein solches Keyword optimiert hat), verschlechtert den Traffic bei den anderen Suchbegriffen (vor allem Tippfehler etc.) und zu guter letzt bietet uns Google Suggest auch jede Menge witziger Sachen (lustige Google Suggest Vorschläge). Alles in allem finde ich, dass google suggest eine wirklich tolle Sache ist. Es ist auf den Nutzer hin gerichtet und das ist, was zählt. Content is king! Und wir machen einen großen Schritt dahin :-)

    autocomplete am Mrz 2, 2010

  7. Das einzig tolle was ich aus google suggest mitnehmen kann (neben die tippfehler ;) ) ist dessen Hilfe bei der Keywordfindung . Da sieht man genau wie viele danach mit welchen Verbindungen suchen . Das macht Spaß als Webmensch :)

    buro am Mrz 30, 2010

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