Abmahnung deluxe: Die fieseste Geschäftsidee aller Zeiten

30. August 2008 | Guerilla-Techniken

Ich habe lange überlegt, ob ich das hier posten soll, aber ich muss es einfach tun. Es geht um ein hypothetisches Projekt, das hoffentlich noch niemand so in die Tat umgesetzt hat oder es will. Wer dennoch mit dem Gedanken spielt oder es vielleicht bereits getan hat, der ziehe sich den Zorn aller Internetnutzer auf sich und möge ob seiner kriminellen Energie den langsamen SEO-Tod erleiden.

Dieser Beitrag soll darstellen, was im Internet alles möglich ist. Ich distanziere mich wirklich wirklich davon, dass irgendjemand das machen sollte, denn ich halte die Idee für absolut gemein, hinterhältig, asozial, verschlagen und – ja auch genial..

Folgendes wäre der Plan: 1. der Aufbau eines Abmahnportals, 2. dreistufig monetarisieren

Bereitgestellt würden auf diesem Portal Internetseiten, die gegen irgendeine Pflicht oder Auflage verstoßen – sei es ein falsches Impressum, Urheberrechtsverletzungen, Markenprobleme oder ähnliches. Diese Seiten würden zunächst anonym im Portal gelistet.

Der registrierte User (das wären wohl vor allem fehlgeleitete Abmahnanwälte) könnte sich nun die Seiten ansehen und den (geschätzten) Streitwert erfahren.

Die Seite würde auf zwei einfach fiese und einer dritten doppelt fiesen Stufe monetarsieren:

  1. Der registrierte User zahlte für die Anzeige des Streitwerts und einer ersten Einschätzung der Seite und der Problematik einen Cent-Betrag. Das bringt Geld, denn “evaluieren” ist ja günstig.
  2. Der Betreiber des Portals würde mit jeder abgemahnten Seite am Streitwert prozentual beteiligt.
  3. (das ist jetzt wirklich fies) Die Seite, deren Streitwert abgerufen wird, würde in einer Mailaktion angeschrieben und auf einen Anwalt, der sie im Falle einer eintretenden Abmahnung vertreten könnte aufmerksam gemacht. Dieser Anwalt arbeitete mit dem Portal selbst zusammen (krass!).

Man könnte pressetauglich argumentieren, die Cent-Beträge seien eine Hürde um Abmahnungen zu verhindern und das Portal sei nur für solchjenige, die Ihre eigene Seite prüfen wollten (rottenneighbor.com lässt grüßen..).

Leute gehts noch? Ich habs selbst kaum geglaubt, dass mir so was einfällt und ich hoffe, dass es eine Menge rechtlicher und auch technischer Hürden gibt, so etwas tatsächlich umzusetzen.

Ich möchte im gleichen Zuge hier etwas Awareness schaffen und darauf hinweisen, dass es in Deutschland leider immer noch der Fall ist, dass die erste Abmahnung bereits kostenpflichtig ist. Geboren als Instrument, die Verletzung von Markenrecht und Urheberrecht einfach und außergerichtlich zu lösen, hat leider bei manchen Menschen Begehrlichkeiten geweckt. Und es gibt einige Gründe, die nicht nur schwer wiegen, um abgemahnt zu werden.

Glücklicherweise wird das Thema auch in den Medien immer konkreter besprochen und richtig schwarze Schafe fliegen auf. Trotzdem gibt es immer noch zuviele organisierte und willkürliche Abmahnungen. Momentan kursiert eine sehr nützliche Hilfestellung in Form eines ebooks als eine Art Abmahnungsleitfaden, für alle die, die nicht in die Gelegenheit kamen, Internetrecht zu studieren.

Ich hoffe, es ist deutlich geworden, dass die aufgezeigte Geschäftsidee die letzte Stufe der Abmahnauswüchse wäre. Ich hoffe, dass sich eine Lobby bildet bzw. eine bereits bestehende Lobby stärker wird und rechtschaffende Berufsständler die Misere kurz- bis mittelfristig anpassen und verbessern können.

Update: Es scheint sich wohl in Zukunft nicht wirklich viel bewegen zu wollen, denn es werden vom BMJ durch einen Impressumsleitfaden nun Löcher/Symptome gestopft. Schade.

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  1. 20 Kommentare

  2. total kranke Idee, aber genial.. eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis das mit den Abmahnungen Kreise ziehen wird.

    Habe auch schon gehört, es sei ein allgemein akzeptierter Weg unter Jurastudenten, sich mit Abmahnungen das Studium zu finanzieren.. gibt sogar dafür Spezial-Software die das ganze Prozedere noch vereinheitlicht und vereinfacht..

    Einziger Ausweg aus der Misere: Gesetzeslücken schließen. Es darf nichtmehr wegen Lapalien abgemahnt werden, schon gar nicht kleine Blogger ohne Kommerz-Hintergrund…

    Fabian am Aug 30, 2008

  3. Der einzige wirkliche Ausweg aus dieser Misere wäre eine Änderung des Rechts. Die erste Abmahnung sollte nicht mehr kostenpflichtig sein dürfen oder zumindest auf einen Pauschalbetrag begrenzt sein.

    14,95 Bearbeitungsgebühr sollten genügen :)

    Denn letztendlich geht es in einer Abmahnung ja nur darum, seinen Gegenüber auf einen Fehler aufmerksam zu machen.

    Gerhard Zirkel

    Gerhard Zirkel am Aug 31, 2008

  4. Ihr Abmahnungsjammerer …

    Eine Abmahnung ist das Beste, was euch passieren kann, wenn ihr tatsächlich Mist gebaut habt. Eurem Konkurrenten stände nämlich auch der Weg direkt vor den Kadi zur Verfügung, komplett mit einstweiliger Verfügung (“Seite vom Netz nehmen, bis Prozess vorbei”) und so weiter. Das ist mir persönlich die Abmahngebühren wert.

    Martin am Aug 31, 2008

  5. @Martin

    Es geht hier gar nicht primär um berechtigte Abmahnungen. Wenn ich einen Fehler mache muss ich damit rechnen eins auf den Deckel zu bekommen, ganz klar.

    Aber ein Großteil der Abmahnungen die so unterwegs sind, sind hart an der Grenze oder gänzlich unberechtigt und werden nur zum Zwecke des Geldverdienens verschickt.

    Gerhard Zirkel

    Gerhard Zirkel am Aug 31, 2008

  6. @Gerhard

    Wenn du weißt, daß die Abmahnung unberechtigt bist, wieso ist sie dann ein Problem für dich? Feststellungsklage einleiten!

    Martin am Aug 31, 2008

  7. Und genau da liegt das größte Problem. Wer bezahlt mich für den Aufwand, wer bezahlt den Anwalt der das für mich erledigt und warum muss ich für die Versuche irgend eines Pseudoanwaltes überhaupt Zeit und Geld opfern?

    Hinzu kommt, dass nicht jeder Seitenbetreiber genaug Ahnung von der Materie hat sich nicht Einschüchtern zu lassen.

    Viele zahlen und nehmen die Seite halt wieder vom Netz. Das führt letztendlich dazu, dass auch online nur noch diejenigen ihre Meinung sagen, die genug Geld in der Hinterhand haben um sich verteidigen zu können.

    Der Meinungsvielfalt dient das nicht unbedingt. Aber wozu auch, wir haben ja die BILD, oder?

    Gerhard Zirkel

    Gerhard Zirkel am Aug 31, 2008

  8. Geniale Idee. Entschuldigt mich jetzt, habe zu tun, will ne neue Webseite aufziehen… :-D

    Tekka am Aug 31, 2008

  9. Dieser ganze Abmahnmist ist ne echte Plage, auch wenn´s mich noch nicht erwischt hat.
    Alle Bestimmungen kann man ja gar nicht kennen – oder warum sonst gibt es Spezial-Anwälte dafür?
    Aber wie so oft im Leben: das naheliegende wird übersehen. So gibt es eine Idee, auf die noch niemand gekommen ist bisher.
    Das wäre dann das Ende aller Internet-shops. Definitiv. Und man könnte unglaublich reich werden dabei. (keine Sorge, ich werd sie auch nicht durchführen. Ich bewahre sie in mir ;-) )
    Ich werd mich also hüten, sie hier kund zu tun.
    Diese Idee hat sich bei mir aus einer zufällig dahin geworfenen Äusserung eines Richters ergeben…..

    Momo´s Freundin am Sep 1, 2008

  10. @Gerhard

    Ich sehe keinen Grund, persönlich zu werden. Für mich rangieren Serienabmahnnugen ebenfalls auf einer Stufe mit Trickbetrug und Schutzgelderpressung. Allerdings kann die Lösung nicht sein, das durchaus wertvolle Instrument der Abmahnung abzuschaffen, die Verantwortlichen für unberechtigte Abmahnungen müssen nur bluten…

    Und deshalb: negative Feststellungsklage, Kosten durch den Antragsgegner zahlen lassen, notfalls in einem gesonderten Prozess.

    Wieso du Zeit und Geld in die Verfolgung einer Straftat stecken sollst, die dich betrifft? Hast du ein Schloß an deiner Haustüre? Wenn man dein Auto klaut – bist du dann bei der Polizei? Wenn man dich um hunderte Euro betrügt – leitest du nicht die entsprechenden Schritte ein? Wieso willst du es dann hier nicht tun?

    Martin am Sep 1, 2008

  11. @Martin

    von was sprichst du eigentlich?

    Ich habe nicht gefordert, Abmahnungen abzuschaffen.

    Ich habe nicht von einer Straftat gesprochen.

    Etwas differenzierter kann man das Thema schon sehen.

    Ich kritisiere lediglich die Möglichkeit, bereits die erste Abmahnung mit hohen Kosten verbinden zu können.

    Genau das macht die Abmahnung zu einer lukrativen Geschäftsidee und das ist nicht im Sinne des Erfinders.

    Gerhard Zirkel

    Gerhard Zirkel am Sep 1, 2008

  12. *hust* Ich kenne eine Firma, die mal so etwas geplant hat und auch an der Umsetzung gearbeitet hat… ob sie immer noch dran sitzen weis ich nicht. Also du bist wohl nicht der einzige, der an sowas denkt =).

    Stefan Johne am Sep 1, 2008

  13. Was geht da nur in Deinem Kopf vor? ;-) Nein, im Ernst, das ist so ein kranker Mist den die deutsche Gesetzgebung da erlaubt. Das Problem an Deiner Idee wird wohl aber grundsätzlich sein, das Du ja erst mal alle abmahnwürdigen Seiten sammeln musst, um sie in das Portal zu stellen. Da steckt ja dann schon einiger Aufwand dahinter. Ansonsten gilt: Dont try this at home”

    Seodeluxe am Sep 1, 2008

  14. Danke für Eure Beiträge.

    Fabian: Das selbst im Studium die Leute schon zu solchen Mitteln greifen (müssen) ist wirklich ziemlich hart. Schade.

    Gerhard (1): Da gebe ich Dir vollkommen recht!

    Martin: Naja, ich will mal den kleinen Blogger sehen, der es als wertvoll erachtet, dass er dreistellige Summen Zahlen soll, weil er etwas falsch macht. Eine E-Mail würde es bei wohl auch tun. Wenn man natürlich genug Kohle einnimmt – ok. Abgeschafft sollen die Abmahnungn nicht werden, nur der finanzielle Aufwand deutlich geringer werden.

    Stefan: Da bin ich ja beruhigt, dass ich nicht diese Idee in die Welt gesetzt hab. Beunruhigend ist allerdings die Tatsache, dass es Menschen gibt, die skrupellos genug sind, solche Ideen in die Tat umzusetzen – Die Gedanken sind frei..

    Seodeluxe: Natürlich. Wenn es so einfach wäre, hätte ich es nicht hier veröffentlicht. Ich sehe (momentan) auch keine Möglichkeit ohen persönliche und individuelle Prüfung mit technischen Mitteln da ranzukommen – zum Glück.

    hannes am Sep 1, 2008

  15. Dieser ganze Abmahnwahn ist Deutschland ist total aus dem Ruder gelaufen. Da stecken sich einige Anwälte das Geld in die tasche, bis nichts mehr reingeht, sprechen im gleichem Atemzug aber von Berufsethik und Seriösität.

    Zu der Portal-Idee oben: zuerst müsstest Du ja alle abmahnwürdigen Seiten aus dem Internet fischen, das würde sicher eine Weile dauern. Außerdem ändern sich die Inhalte von Seiten ja ständig, was ist wenn Du eine Seite in das Portal einträgst und der Betreiber am nächsten Tag sein Impressum hochlädt? Dann ist der abmahnwürdige Zustand ja quasi behoben.

    Fazit: Dont try this at home, kids!

    Seodeluxe am Sep 2, 2008

  16. Krasse Sache. Da wäre das Internet wohl nach kurzer Zeit “sauber” bzw leer.

    mj am Sep 2, 2008

  17. Ähnliches, bereits realisiertes Geschäftsmodell: Es soll Plattformen geben, die urhebergeschützte Bilder umsonst zum Runterladen anbieten, dann aber jeden Missbrauch (d.h. Weglassen des Copyright-Hinweises) sofort kostenpflichtig (und rechtlich einwandfrei) abmahnen…

    Markus am Sep 24, 2008

  18. Da hilft nur eine Offshore Firma gegen, z.B. in Hongkong oder Seychellen. Hauptsache ausserhalb der EU.

    Bernd Böcker am Mrz 17, 2009

  19. @Bernd Böcker: Das würde sicherlich helfen aber man sollte die Probleme mit dem Finanzamt nicht unterschätzen. Also auch wenn steuermäßig alles in Ordnung geht wird es Probleme geben weil das Finanzamt keine Einsicht in die Details bekommt.

    Peter am Mai 4, 2013

  1. 2 Trackback(s)

  2. Feb 17, 2009: AbmahnR 2.0 - der Abmahnservice - Die Seo-Klitsche
  3. Sep 6, 2009: web-newspaper » Blog Archive » Webseiten einfach per Internet abmahnen – Geld verdienen für jeden

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